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Auf einer dreisprachigen Tafel - in hebräisch, arabisch und englisch - ist vor den Stufen zum hohen Turm des YMCA in Jerusalem und gegenüber dem berühmten
King-David- Hotel im mittleren Feld zu lesen: "Here is a place whose atmosphere is peace where political and religious jealousies can be forgotten and international unity be fostered and developed".
Diese Widmung stammt von Lord Allenby aus dem Jahre 1933, dem Jahr, in dem in Deutschland die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten ihren blutigen und intoler- anten Anfang nahm. Allenby war laut
Brockhaus britischer Feldmarschall und Ober- befehlshaber der britischen Armee in Ägypten, die im Dezember 1917 Jerusalem eroberte und im Herbst 1918 Damaskus und Aleppo. Noch heute trägt die Brücke an der Straße
Nr. 48, knapp 10 Kilometer östlich von Jericho, die heute Israel über den Jordan mit Jordanien verbindet, seinen Namen - vielleicht ein Symbol für seinen völkerversöhnenden Ausspruch, der mit Absicht zur gleichen
Zeit in den drei genannten Sprachen gelesen werden kann. Es sind die drei Sprachen der drei Kulturen, die Europa zu dem werden ließen, was es heute ist - sie sind die nachlesbaren Wurzeln Europas.
Auch die Ausstellung "Dialoge eröffnen", in der vier jüdische, vier muslimische und vier christliche Künstler sich in Bildern und Skulpturen begegnen und an der Schwelle zum neuen Jahrtausend mit
ihrem jeweiligen religiösen und historischen Hintergrund zu Toleranz und Frieden aufrufen, will eine Brücke schlagen zwischen Nationen und Re- ligionen, deren Zusammenleben durch eine wechselhafte Geschichte
gekennzeichnet ist. Die Ausstellungsräume sollen ebenfalls ein Ort sein des Friedens, in der Besinnung auf gemeinsame religiöse Wurzeln, auf kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede, auf Vielfalt und Einheit, die
sich fortentwickeln soll. Daß dabei dem geschriebenen Wort in den Bildern der Ausstellung großes Gewicht zukommt, daß sogar in den Skulpturen teilweise schriftähnliche Details hervortreten, kommt sicherlich nicht
von ungefähr. Denn ohne Sprache ist eben kein Dialog möglich und ohne Gespräch keine Aussöhnung.
Was sind die kulturellen Wurzeln Europas? Was macht Europa zu Europa? Dieser Frage, die wir uns und der wir
uns am Ende dieses Jahrtausends stellen, ging Eckhardt Nordhofen in der Wochenzeitung "Die Zeit" vom 11.07.1997 nach. Seine Antwort ist auch für unsere Ausstellung lesenswert: "Europa ist aus
Prinzip bunt. Europa ist bunt, weil es bunt sein will. Es ist der Kontinent der Vielfalt, einer gewollten und innerlich bejahten prismatischen Brechung des Lichtes in seine vielen Farben. In jeder Kultur gibt es
eine Unterlage von Unausgesprochenem und Selbstverständlichem. Das sind meist die kleinen Dinge ... es ist die Art, Feste zu feiern, die Toten zu bestatten, die Gabel zu führen, unsere Essgewohnheiten und
Kleidersitten. Hierin, wie natürlich in den großen Identitätssymbolen nationaler und religiöser Art, wird das je Eigene erkannt ..." .
Die drei Religionen, die sich - wie wir wollen - in
dieser Ausstellung begegnen, sind gekennzeichnet durch einen eindeutigen Gottesbegriff, der "selbst die Mächtigsten entmächtigt". Es ist der Monotheismus. Wenn uns am Ende dieses Jahrtausends "Toleranz
und die Buntheit der gewollten Vielfalt wichtig sind, sollten wir uns daran erinnern, wem wir sie zu verdanken haben.... Es ist die [religiöse] Tradition, der Euro- pa seine Farbe verdankt".
Bunt in
diesem Sinne soll unsere Ausstellung sein, die im Jahr 2000 in Walldorf, Pforzheim, Konstanz und Bruchsal gezeigt wird. Sie nimmt Lessings dichterische Vision in der sogenannten Ringparabel wörtlich und setzt sie
kreativ um.
Jürgen W. Schaefer
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